HSS-Stahl: Sorten, Eigenschaften, Anwendungsbereiche und Leitfaden zur Bearbeitung

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    Was ist HSS-Stahl?

    Was ist HSS-Stahl?

    HSS-Stahl steht für „High Speed Steel“ (Schnellarbeitsstahl), eine Gruppe hochlegierter Werkzeugstähle, die entwickelt wurden, um ihre Härte, Verschleißfestigkeit und Schneidleistung auch bei den hohen Temperaturen beizubehalten, die bei der Hochgeschwindigkeitsbearbeitung entstehen. Im Gegensatz zu herkömmlichen Werkzeugstählen behält HSS seine nützlichen Schneideigenschaften auch bei erhöhten Temperaturen bei, sodass Werkzeuge aus diesen Materialien mit deutlich höheren Schnittgeschwindigkeiten eingesetzt werden können, ohne dass sie ihre Schneidkante schnell verlieren.

    HSS ist keine einzelne Stahlsorte. Es handelt sich um eine Familie von Werkzeugstählen mit unterschiedlichen Kombinationen aus Kohlenstoff und Legierungselementen wie Wolfram, Molybdän, Vanadium, Chrom, Kobalt und – bei einigen Sorten – Aluminium. Durch die Anpassung dieser Elemente und die anschließende Wärmebehandlung können Hersteller HSS-Sorten mit unterschiedlichen Kombinationen aus Härte, Zähigkeit, Verschleißfestigkeit, Schleifbarkeit und Warmhärte herstellen.

    Die Entwicklung von HSS hat die Zerspanung revolutioniert, indem sie die kontinuierliche Hochgeschwindigkeitsbearbeitung für die industrielle Fertigung praktikabel machte. Auch heute noch wird HSS in großem Umfang für Schneidwerkzeuge und Werkzeugkomponenten eingesetzt, bei denen eine Kombination aus hohe Härte, Schnitthaltigkeit, Verschleißfestigkeit und Zähigkeit ist wichtiger als das bloße Erreichen der höchstmöglichen Härte.

    Zu den gängigen HSS-Produkten gehören Bohrer, Gewindebohrer, Schaftfräser, Reibahlen, Räumwerkzeuge, Drehwerkzeuge, Bohrstangen, Zahnradfräser, Sägeblätter und andere Präzisionsschneidkomponenten. Die Auswahl der verschiedenen HSS-Sorten richtet sich nach dem Werkstückmaterial, der Schnittgeschwindigkeit, der Betriebstemperatur, der erforderlichen Standzeit und den Fertigungsanforderungen.

    Der wichtigste Aspekt bei der Bewertung von HSS ist daher nicht einfach die Frage, ob ein Werkstoff “hart” ist, sondern ob die jeweilige Güteklasse die richtige Balance der Eigenschaften für die beabsichtigte Zerspanungs- oder Werkzeuganwendung bietet.

    Wie setzt sich HSS-Stahl zusammen?

    Wie setzt sich HSS-Stahl zusammen?

    Es gibt keine einheitliche chemische Zusammensetzung, die für alle HSS-Stähle gilt. Vielmehr werden HSS-Sorten durch die Kombination von Kohlenstoff mit verschiedenen Legierungselementen hergestellt, wobei jedes Element zur Bildung von harten Karbiden, zur Sekundärhärtung, zur Warmhärte, zur Zähigkeit oder zu anderen Leistungsmerkmalen beiträgt.

    Zu den wichtigsten Legierungselementen in HSS gehören Kohlenstoff (C), Wolfram (W), Molybdän (Mo), Vanadium (V), Chrom (Cr) und Kobalt (Co). Einige Spezialgüten enthalten zudem Aluminium (Al), um ihr Verhalten bei hohen Temperaturen und ihre Verschleißfestigkeit weiter zu verbessern.

    Kohlenstoff (C)

    Kohlenstoff bildet die Grundlage für die Härte und die Karbidbildung in HSS. Ein höherer Kohlenstoffgehalt kann die Bildung harter Karbide fördern und die Härte sowie die Verschleißfestigkeit verbessern; ein zu hoher Kohlenstoffgehalt kann jedoch die Zähigkeit verringern und die Bearbeitung des Werkstoffs erschweren.

    Wolfram (W)

    Wolfram ist ein traditionelles Legierungselement für HSS-Stähle, das maßgeblich zur Warmhärte und Rothärte beiträgt. Wolframreiche Sorten wie W18Cr4V (T1) enthalten deutlich mehr Wolfram als moderne Sorten auf Molybdänbasis und bilden die klassische Wolfram-HSS-Familie.

    Molybdän (Mo)

    Molybdän kann Wolfram teilweise ersetzen und bietet dabei starke Nachhärtungseffekte sowie ein gutes Hochtemperaturverhalten. HSS auf Molybdänbasis bietet im Allgemeinen ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Härte, Zähigkeit und Herstellungskosten, was ein Grund dafür ist, dass Sorten wie M2 so weit verbreitet sind.

    Vanadium (V)

    Vanadium bildet im Stahl extrem harte Vanadiumkarbid (VC)-Partikel. Diese Karbide sorgen für eine hohe Beständigkeit gegen abrasiven Verschleiß und tragen dazu bei, die Schneidkante auch bei anspruchsvollen Einsätzen zu erhalten. Vanadiumreiche Sorten wie M3 zeichnen sich daher durch eine hohe Verschleißfestigkeit aus, obwohl ihre harte Karbidstruktur das Schleifen erschweren kann.

    Chrom (Cr)

    Chrom trägt in erster Linie zur Härtbarkeit bei und unterstützt den Stahl dabei, während der Wärmebehandlung die erforderliche Struktur zu entwickeln. Außerdem trägt es zur Oxidationsbeständigkeit bei und verbessert die Gesamtbalance der Legierung.

    Kobalt (Co)

    Kobalt wird in kobalthaltigen HSS-Sorten wie M35 und M42 verwendet. Im Gegensatz zu Wolfram oder Vanadium, die Karbide bilden, erhöht Kobalt die Fähigkeit des Stahls, seine Härte bei erhöhten Temperaturen beizubehalten, wodurch sich kobalthaltiger HSS besonders für anspruchsvolle Hochgeschwindigkeits-Zerspanungsvorgänge eignet.

    Aluminium (Al)

    Aluminium wird in speziellen HSS-Sorten wie W6Mo5Cr4V2Al (M2Al) verwendet. Es kann zu einer höheren Härte und Warmhärte beitragen, allerdings kann aluminiumhaltiger HSS während der Wärmebehandlung auch anfälliger für Oxidation und Entkohlung sein.

    Wie Legierungselemente die HSS-Güte bestimmen

    Die Leistungsfähigkeit von HSS beruht nicht auf einem einzigen Faktor. Sie ergibt sich aus dem Zusammenspiel von Legierungselementen, Karbidbildung, Stahlherstellungsverfahren und Wärmebehandlung.

    Zum Beispiel:

    • Höherer W-Wert → traditionelle Eigenschaften der Rot-Härte
    • W + Mo → ausgewogene HSS-Leistung für den universellen Einsatz
    • Höherer V-Wert → höhere Verschleißfestigkeit
    • Höherer Co-Gehalt → verbesserte Warmhärte
    • Höherer C-Gehalt → erhöhte Härte und Karbidbildung
    • Al-Zusätze → verbesserte Härte und Hochtemperaturbeständigkeit

    Dank dieser Flexibilität bei der Zusammensetzung kann HSS ein breites Spektrum an Anforderungen im Bereich Zerspanung und Werkzeugbau abdecken.

    Arten von HSS-Stahl

    Arten von HSS-Stahl

    HSS-Stahl lässt sich auf verschiedene Weise klassifizieren, aber Die chemische Zusammensetzung ist die praktischste Einteilung, um die Unterschiede zwischen den wichtigsten HSS-Familien zu verstehen. Der Anteil und die Zusammensetzung von Wolfram, Molybdän, Vanadium, Kobalt, Kohlenstoff und anderen Legierungselementen bestimmen die Eigenschaften der einzelnen Gruppen.

    HSS-Typ Wichtigstes Legierungsmerkmal Typische Noten Hauptmerkmal
    Wolfram-HSS Hohe W W18Cr4V / T1 Traditionelle rote Härte
    Wolfram-Molybdän-HSS W + Mo M2 / W6Mo5Cr4V2 Ausgewogene Leistung
    HSS mit hohem Molybdänanteil Hoher Mo M1, M4, M10 Gute Zähigkeit und Verschleißfestigkeit
    HSS mit hohem Vanadiumgehalt High V M3 Außergewöhnliche Verschleißfestigkeit
    Kobalt-HSS Zusatz M35, M42 Hohe Warmhärte
    HSS mit hohem Kohlenstoffgehalt Höheres C 9W18Cr4V Hohe Härte und Verschleißfestigkeit
    Aluminium-HSS Außerdem M2Al Hohe Härte und Warmhärte

    Wolfram-Schnellarbeitsstahl

    Wolfram-HSS ist die traditionelle Familie der Schnellarbeitsstähle, bei der Wolfram das Hauptelement ist, das für die Leistungsfähigkeit bei hohen Temperaturen verantwortlich ist. W18Cr4V, auch bekannt als AISI T1, ist ein klassisches Beispiel und entspricht Güten wie JIS SKH2 und DIN 1.3355.

    W18Cr4V enthält typischerweise etwa 17,5–19% Wolfram, etwa 0,70–0,80% Kohlenstoff, 3,8–4,4% Chrom und 1,0–1,2% Vanadium. Nach einer entsprechenden Wärmebehandlung kann es eine Härte von etwa 63–66 HRC erreichen.

    Wolfram-HSS bietet eine gute Rotfestigkeit und wird seit langem in Allzweck-Schneidwerkzeugen eingesetzt. Im Vergleich zu einigen modernen HSS-Zusammensetzungen können jedoch aufgrund seiner Zähigkeit und Wirtschaftlichkeit andere Legierungssysteme für bestimmte Anwendungen attraktiver sein.

    Wolfram-Molybdän-Schnellarbeitsstahl

    HSS-Stahl auf Wolfram-Molybdän-Basis vereint Wolfram und Molybdän, um ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Härte, Zähigkeit, Verschleißfestigkeit und Warmhärte zu erzielen. W6Mo5Cr4V2, allgemein bekannt als M2 oder 6542, ist die repräsentativste Sorte dieser Produktfamilie.

    M2 enthält in der Regel etwa 5,5–6,75% Wolfram, 4,5–5,5% Molybdän und 1,75–2,20% Vanadium, zusammen mit Chrom und Kohlenstoff. Nach der Wärmebehandlung erreicht es üblicherweise etwa 63–66 HRC.

    Aufgrund seiner ausgewogenen Eigenschaften und seiner breiten Anwendbarkeit ist M2 eine der am häufigsten verwendeten HSS-Allzwecksorten. Die detaillierten Eigenschaften, Anwendungsbereiche und Bearbeitungshinweise werden separat in unserem M2-Werkzeugstahl Leitfaden.

    Hochmolybdänhaltiger Schnellarbeitsstahl

    HSS mit hohem Molybdänanteil enthält relativ wenig Wolfram, typischerweise etwa 0–2% W, während der Molybdänanteil je nach Sorte etwa 5–10% erreichen kann.

    Zu den typischen Sorten zählen M1, M4 und M10. M4 zeichnet sich zudem durch einen relativ hohen Kohlenstoff- und Vanadiumgehalt aus, wodurch es eine besonders hohe Verschleißfestigkeit aufweist.

    Diese Werkstoffgruppe bietet eine vorteilhafte Kombination aus Zähigkeit, Verschleißfestigkeit und Hochtemperaturbeständigkeit; allerdings muss die Wärmebehandlung sorgfältig gesteuert werden, da zu hohe Austenitisierungstemperaturen die Kornstruktur und die endgültigen Eigenschaften beeinträchtigen können.

    Hochvanadium-Schnellarbeitsstahl

    HSS mit hohem Vanadiumgehalt enthält erhöhte Mengen an Vanadium, wodurch sich eine größere Menge extrem harter Vanadiumkarbidpartikel bilden kann.

    W6Mo5Cr4V3 (M3) ist eine typische Güteklasse, die in der Regel etwa 2,25–2,75% Vanadium enthält. Nach der Wärmebehandlung erreicht M3 eine Härte von etwa 64–67 HRC und weist eine hervorragende Verschleißfestigkeit auf.

    Aufgrund des hohen Gehalts an VC-Karbiden eignet sich dieses Material besonders gut für Anwendungen, bei denen abrasiver Verschleiß im Vordergrund steht. Allerdings beeinträchtigen eben diese harten Karbide die Schleifbarkeit, sodass das Präzisionsschleifen von HSS mit hohem Vanadiumgehalt in der Regel sorgfältig ausgewählte Schleifmittel und kontrollierte Bearbeitungsbedingungen erfordert.

    Kobalt-Schnellarbeitsstahl

    Bei Cobalt-HSS wird der Legierung ein erheblicher Anteil an Kobalt beigemischt, um die Warmhärte und die Schneidleistung bei erhöhten Temperaturen zu verbessern.

    Die gängigsten Güteklassen sind M35 und M42. M35 enthält in der Regel etwa 4,5–5,51 TP3T Kobalt, während M42 etwa 7,5–8,51 TP3T Kobalt enthält und nach entsprechender Wärmebehandlung eine Härte von etwa 67–70 HRC erreichen kann.

    Kobalt-HSS ist besonders dann von Vorteil, wenn bei den Schnittbedingungen erhebliche Wärme entsteht oder wenn schwer zerspanbare Werkstoffe eine höhere Zerspanungsleistung erfordern. Der Nachteil sind in der Regel höhere Materialkosten im Vergleich zu HSS-Sorten für den allgemeinen Einsatz.

    Hochkohlenstoffhaltiger Schnellarbeitsstahl

    HSS-Stahl mit hohem Kohlenstoffgehalt nutzt den erhöhten Kohlenstoffgehalt, um eine höhere Härte und die Bildung von Karbiden zu fördern.

    9W18Cr4V ist eine typische HSS-Sorte mit hohem Kohlenstoff- und Wolframgehalt, die in der Regel etwa 0,90–1,00% Kohlenstoff und 17,5–19% Wolfram enthält. Nach der Wärmebehandlung kann ihre Härte etwa 66–68 HRC erreichen.

    Diese Zusammensetzung sorgt für eine hohe Verschleißfestigkeit und Härte, obwohl der erhöhte Karbidanteil die Zähigkeit verringern und das Schleifen erschweren kann.

    Aluminium-Schnellarbeitsstahl

    Aluminium-HSS ist eine spezielle Produktfamilie, bei der Aluminium beigemischt wird, um die Härte und das Verhalten bei hohen Temperaturen zu verbessern.

    W6Mo5Cr4V2Al, auch als M2Al bezeichnet, enthält in der Regel etwa 0,80–1,20% Aluminium sowie Wolfram, Molybdän, Chrom und Vanadium. Die Härte nach der Wärmebehandlung kann etwa 67–69 HRC erreichen.

    Diese Stahlsorten zeichnen sich durch hohe Härte und Verschleißfestigkeit aus, doch aufgrund ihrer Anfälligkeit gegenüber Oxidation und Entkohlung sind eine kontrollierte Wärmebehandlung und Schutzatmosphären besonders wichtig.

    Insgesamt verdeutlichen diese HSS-Familien, warum HSS-Stahl sollte nicht als ein universell einsetzbarer Werkstoff betrachtet werden. Eine Allzweck-Sorte M2, eine verschleißfeste Sorte M3 und eine Sorte M42 mit hoher Warmhärte können alle als HSS klassifiziert werden, weisen jedoch deutlich unterschiedliche Leistungseigenschaften auf. Die Wahl der geeigneten Sorte hängt daher von den Schnittbedingungen, dem Werkstückmaterial, der erforderlichen Standzeit, der Betriebstemperatur und dem Fertigungsprozess ab.

    Bohrer aus Schnellarbeitsstahl

    Eigenschaften von HSS-Stahl

    Die Leistungsfähigkeit von HSS-Stahl beruht auf seiner sorgfältig abgestimmten Legierungszusammensetzung und seiner wärmebehandelten Mikrostruktur. HSS wird nicht allein wegen seiner Härte geschätzt, sondern vor allem wegen der Kombination aus Warmhärte, Verschleißfestigkeit, Zähigkeit, Schnitthaltigkeit und Maßhaltigkeit bei anspruchsvollen Schneidarbeiten.

    Hohe Härte

    Wärmebehandeltes HSS erreicht in der Regel eine Härte von etwa 63–70 HRC, je nach Güteklasse und Wärmebehandlung. Dank dieser hohen Härte sind HSS-Werkzeuge verformungsbeständig und behalten auch unter wiederholten Schnittbelastungen eine scharfe Schneide.

    Warmhärte und Rothärte

    Eine der charakteristischen Eigenschaften von HSS ist seine Fähigkeit, die Härte auch bei erhöhten Temperaturen beizubehalten. Viele HSS-Sorten können eine brauchbare Zerspanungsleistung aufrechterhalten, wenn die Schneidkante Temperaturen von mehreren hundert Grad Celsius erreicht, wodurch sie bei höheren Schnittgeschwindigkeiten eingesetzt werden können als herkömmliche Kohlenstoff- oder niedriglegierte Werkzeugstähle.

    Verschleißfestigkeit

    HSS enthält Hartmetallkarbide, die hauptsächlich aus Elementen wie Vanadium, Wolfram und Molybdän bestehen. Diese Karbide verbessern die Beständigkeit gegen abrasiven Verschleiß und tragen dazu bei, die Standzeit der Werkzeuge zu verlängern, insbesondere bei Anwendungen mit Dauerschnitt oder hohem Anpressdruck.

    Kantenhaltbarkeit

    Durch die Kombination aus hoher Härte und verschleißfesten Karbiden behält HSS über lange Zeiträume hinweg eine scharfe Schneidkante. Dies ist besonders wichtig bei Bohrern, Gewindebohrern, Reibahlen, Schaftfräsern, Drehwerkzeugen und Sägeblättern, bei denen die Schneidengeometrie direkten Einfluss auf die Bearbeitungsgenauigkeit und die Oberflächenqualität hat.

    Zähheit

    Im Vergleich zu vielen extrem harten Werkzeugwerkstoffen bietet HSS ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Härte und Zähigkeit. Dadurch sind HSS-Werkzeuge in der Lage, Vibrationen, intermittierendem Schneiden und mäßigen Stößen standzuhalten, ohne dabei übermäßig spröde zu sein.

    Schleifbarkeit und Bearbeitbarkeit

    HSS lässt sich nach dem Härten aufgrund seiner hohen Härte und seines hohen Karbidgehalts relativ schwer bearbeiten. Die konventionelle Bearbeitung erfolgt in der Regel im geglühten Zustand, während gehärtetes HSS üblicherweise durch Präzisionsschleifen oder Elektroerosion bearbeitet wird, wenn eine konventionelle Zerspanung nicht mehr praktikabel ist. Sorten mit hohem Vanadiumgehalt stellen aufgrund ihrer harten VC-Karbide eine besondere Herausforderung dar.

    Thermische und Maßhaltigkeit

    HSS weist eine relativ hohe Dichte und eine mäßige Wärmeleitfähigkeit auf, während seine legierte Mikrostruktur eine gute Beständigkeit gegen Erweichung bei erhöhten Temperaturen bietet. Eine fachgerechte Wärmebehandlung ist unerlässlich, da unkontrolliertes Erhitzen, Abkühlen oder Beanspruchung zu Verformungen, Eigenspannungen oder Rissbildung führen können.

    Gewindebohrer aus Schnellarbeitsstahl

    HSS-Stahlsorten und typische Parameter

    HSS-Stähle unterscheiden sich erheblich in ihrer Zusammensetzung und ihren Eigenschaften. Die folgende Tabelle fasst einige repräsentative Sorten aus den oben behandelten Hauptgruppen der HSS-Stähle zusammen. Die Werte sind als eher typische Referenzbereiche als allgemeingültige Vorgaben, da die endgültigen Eigenschaften von der Stahlherstellungsmethode, der Produktform, der Wärmebehandlung und den Prüfbedingungen abhängen.

    HSS-Güteklasse HSS-Typ Wichtigste Merkmale der Komposition Typische Härte nach der Wärmebehandlung Härte bei hohen Temperaturen* Hauptmerkmal
    W18Cr4V (T1) Wolfram-HSS W 17,5–19%, Cr 3,8–4,4%, V 1,0–1,2% 63–66 HRC ~48–53 HRC bei 600 °C Gute rote Härte
    W6Mo5Cr4V2 (M2) Wolfram-Molybdän-HSS Mi 5,5–6,75%, Mo 4,5–5,5%, Fr 1,75–2,2% 63–66 HRC ~47–48 HRC bei 600 °C Ausgewogene Leistung
    M3 / W6Mo5Cr4V3 HSS mit hohem Vanadiumgehalt V 2,25–2,75% 64–67 HRC ~58–60 HRC bei 600 °C Hervorragende Verschleißfestigkeit
    M4 HSS mit hohem Molybdän- und Vanadiumgehalt C 1,35–1,45%, V 3,5–4,5% 64–67 HRC Hoch Hohe Verschleißfestigkeit
    M35 Kobalt-HSS Co 4,5–5,5% 64–67 HRC >60 HRC unter anspruchsvollen Bedingungen Verbesserte Warmhärte
    M42 Kobalt-HSS Mo 9–10%, Co 7,5–8,5% 67–70 HRC ~55–56 HRC bei 600 °C Sehr hohe Warmhärte
    9W18Cr4V HSS mit hohem Kohlenstoffgehalt C 0,90–1,00%, W 17,5–19% 66–68 HRC ~51–52 HRC bei 600 °C Hohe Härte und Verschleißfestigkeit
    W6Mo5Cr4V2Al (M2Al) Aluminium-HSS Al 0,8–1,21 TP3T 67–69 HRC ~54–55 HRC bei 600 °C Hohe Härte und Warmhärte

    *Die Härtewerte bei hohen Temperaturen sind repräsentative Referenzwerte und können je nach Wärmebehandlung, Prüfbedingungen und Materialzustand variieren.

    Typische physikalische Parameter

    Die typischen physikalischen Eigenschaften variieren ebenfalls je nach Güteklasse, doch weist HSS im Allgemeinen eine Dichte von etwa 8,0–8,3 g/cm³ auf. So liegt die Dichte von M2 beispielsweise bei etwa 8,26 g/cm³, während seine Wärmeleitfähigkeit bei Raumtemperatur etwa 32,8 W/(m·K) beträgt.

    Der wichtigste Unterschied zwischen den verschiedenen Stahlsorten liegt jedoch nicht lediglich in ihrer Dichte oder Härte. Die Legierungszusammensetzung bestimmt, wie der Stahl die Eigenschaften Verschleißfestigkeit, Zähigkeit, Warmhärte, Schleifbarkeit und Schneidleistung.

    Schnellarbeitsstahl-Schaftfräser

    Wofür wird Schnellarbeitsstahl verwendet?

    HSS-Stahl kommt vor allem dort zum Einsatz, wo eine Schneide unter wiederholter mechanischer und thermischer Beanspruchung ihre Härte und Geometrie beibehalten muss. Er zählt nach wie vor zu den vielseitigsten Werkstoffen für die Herstellung von Schneidwerkzeugen, Umformwerkzeugen und verschleißfesten Werkzeugkomponenten.

    Bohrer aus Schnellarbeitsstahl

    HSS-Bohrer gehören zu den gängigsten Anwendungen. HSS-Spiralbohrer vereinen Härte, Zähigkeit und Hitzebeständigkeit und eignen sich daher zum Bohren von Metallen wie Kohlenstoffstahl, legiertem Stahl, Edelstahl und anderen technischen Werkstoffen.

    Gewindebohrer aus Schnellarbeitsstahl

    HSS-Gewindebohrer werden zur Herstellung von Innengewinden mit gleichbleibender Schneidleistung eingesetzt. Ihre Härte und Verschleißfestigkeit tragen dazu bei, die Gewindegeometrie auch bei wiederholten Bearbeitungsvorgängen beizubehalten.

    Schnellarbeitsstahl-Schaftfräser

    HSS-Schaftfräser werden zum Fräsen von Nuten, Taschen, Profilen, Schultern und anderen Formen verwendet. Im Vergleich zu Hartmetallwerkzeugen bieten HSS-Schaftfräser eine höhere Zähigkeit und eignen sich besonders für Anwendungen, bei denen Vibrationen oder unterbrochener Schnitt eine Rolle spielen.

    Drehwerkzeuge aus Schnellarbeitsstahl

    HSS-Drehwerkzeuge und -Einsätze finden breite Anwendung beim Drehen, Plandrehen, Profilieren und bei anderen Bearbeitungsvorgängen. Sie können mit kundenspezifischen Schneidgeometrien geschliffen werden, wodurch sie sich besonders gut für allgemeine und spezielle Drehanwendungen eignen.

    Bohrstangen aus Schnellarbeitsstahl

    HSS-Bohrwerkzeuge und Bohrstangen werden zum Aufbohren oder zur Endbearbeitung bestehender Bohrungen eingesetzt, wobei die Maße und die Oberflächenqualität kontrolliert eingehalten werden. Ihre Zähigkeit erweist sich als vorteilhaft, wenn bei der Bearbeitung Vibrationen oder unterbrochene Schnitte auftreten.

    Reibahlen aus Schnellarbeitsstahl

    HSS-Reibahlen sind Präzisions-Schlichtwerkzeuge, die zur Verbesserung der Maßgenauigkeit und Oberflächengüte bereits gebohrter oder aufgebohrter Löcher eingesetzt werden. Dank ihrer Verschleißfestigkeit bleibt der erforderliche Schnittdurchmesser auch bei wiederholter Verwendung erhalten.

    Fräser aus Schnellarbeitsstahl

    HSS-Fräser werden für Hochgeschwindigkeits-Zerspanungs- und Profilierarbeiten eingesetzt, insbesondere dort, wo eine Kombination aus Schneidkanten-Schärfe und Zähigkeit erforderlich ist. Für unterschiedliche Werkstückwerkstoffe und Schnittbedingungen können spezielle Geometrien hergestellt werden.

    Lochsägen aus Schnellarbeitsstahl

    HSS-Lochsägen verfügen über gehärtete Schneidezähne, um Löcher mit größerem Durchmesser in Blech, Rohren und anderen Werkstoffen zu bohren. HSS bietet die erforderliche Verschleißfestigkeit für wiederholten Zahneingriff und verfügt gleichzeitig über ausreichende Zähigkeit für den praktischen Einsatz.

    Kreissägeblätter aus Schnellarbeitsstahl

    HSS-Kreissägeblätter werden zum Schneiden von Metallwerkstücken, Rohren, Profilen und anderen industriellen Werkstoffen eingesetzt. Da sie ihre Schneidhärte auch bei erhöhten Temperaturen beibehalten, eignen sie sich für den kontinuierlichen Hochgeschwindigkeitsschnitt.

    Bügelsägeblätter aus Schnellarbeitsstahl

    HSS-Bügelsägeblätter werden zum Schneiden von Stangen, Rohren, Profilen und anderen Metallwerkstücken verwendet. Sie profitieren von der Kombination aus Verschleißfestigkeit und Zähigkeit des HSS-Stahls, insbesondere bei Anwendungen mit wiederholten Hin- und Herbewegungen.

    Sonstige HSS-Werkzeugkomponenten

    Neben herkömmlichen Schneidwerkzeugen lassen sich aus HSS auch folgende Produkte herstellen: Stanzwerkzeuge, Verzahnungsfräser, Fräser, Formwerkzeuge, Gewinderollkomponenten, Sägeblätter, Dorne, Walzen und sonstige verschleißfeste Werkzeugteile.

    Die Wahl der geeigneten HSS-Sorte hängt stark vom jeweiligen Einsatzzweck ab. Für allgemeine Zerspanungsaufgaben empfiehlt sich eher eine ausgewogene Sorte wie M2, während für Anwendungen, die eine höhere Verschleißfestigkeit erfordern, Sorten mit hohem Vanadiumgehalt vorzuziehen sind und für schwierige Zerspanungsaufgaben bei hohen Temperaturen Kobalt-Sorten wie M35 oder M42 sinnvoll sein können.

    Reibahlen aus Schnellarbeitsstahl

    Wie hart ist Schnellarbeitsstahl?

    HSS gilt allgemein als hochfester Werkzeugstahl, es gibt jedoch keinen einheitlichen Härtewert für alle HSS-Sorten. Nach ordnungsgemäßer Härtung und Anlassen liegen viele herkömmliche HSS-Sorten im Bereich von etwa 63–70 HRC, wobei Spezialsorten den oberen Grenzwert dieses Bereichs erreichen.

    So erreicht beispielsweise W18Cr4V (T1) in der Regel etwa 63–66 HRC, M2 etwa 63–66 HRC, M3 etwa 64–67 HRC, während der kobalthaltige Stahl M42 etwa 67–70 HRC erreichen kann.

    HSS-Güteklasse Typische Härte nach der Wärmebehandlung
    W18Cr4V / T1 63–66 HRC
    M2 / W6Mo5Cr4V2 63–66 HRC
    M3 64–67 HRC
    M4 64–67 HRC
    M35 64–67 HRC
    M42 67–70 HRC
    9W18Cr4V 66–68 HRC
    M2Al 67–69 HRC

    Die Härte allein ist jedoch nicht ausschlaggebend für die Leistungsfähigkeit von HSS. Eine Sorte mit höherem HRC-Wert ist nicht automatisch die beste Wahl für jede Zerspanungsanwendung. Die Standzeit hängt auch von der Warmhärte, der Karbidstruktur, der Zähigkeit, der Verschleißfestigkeit, der Schnittgeschwindigkeit, dem Werkstückmaterial, der Werkzeuggeometrie und der Wärmebehandlung ab.

    Aus diesem Grund sollte die Auswahl von HSS-Stählen auf den gesamten Betriebszustand ausgerichtet sein und nicht auf die Wahl der Sorte mit der höchsten Nennhärte.

    Fräser aus Schnellarbeitsstahl

    Bearbeitung von Schnellarbeitsstahl

    Die Bearbeitung von HSS-Stahl erfordert je nach Härte und Wärmebehandlungszustand eine unterschiedliche Strategie. Geglühter HSS-Stahl lässt sich deutlich leichter bearbeiten, während gehärteter HSS-Stahl Härtewerte von 63–70 HRC erreichen kann und für eine präzise Endbearbeitung in der Regel Schleifen, Elektroerosion oder andere Spezialverfahren erfordert. Aus diesem Grund sollte der Fertigungsprozess auf den jeweiligen Materialzustand abgestimmt werden, anstatt alle HSS-Sorten gleich zu behandeln.

    Bearbeitung von HSS im geglühten Zustand

    Die Grobbearbeitung erfolgt in der Regel, während sich der HSS im geglühten oder erweichten Zustand befindet. CNC-Fräsen, Drehen, Bohren und andere herkömmliche Verfahren können eingesetzt werden, um die Grundgeometrie vor dem Härten herzustellen. Es ist wichtig, ein angemessenes Bearbeitungsspiel für das anschließende Schleifen vorzusehen, da es durch die Wärmebehandlung zu Maßänderungen kommen kann.

    Bearbeitung von gehärtetem HSS

    Sobald HSS gehärtet ist, wird die konventionelle Zerspanung erheblich erschwert. Zum Erreichen der Endmaße, der Schneidkantengeometrie und der Oberflächengüte wird üblicherweise Präzisionsschleifen eingesetzt, während die Funkenerosion (EDM) für komplexe Profile oder Bereiche genutzt werden kann, die mit herkömmlichen Werkzeugen nur schwer zu bearbeiten sind.

    Vanadiumreiche Sorten erfordern besondere Aufmerksamkeit, da ihre harten Vanadiumkarbidpartikel den abrasiven Verschleiß beschleunigen und das Schleifen erschweren können.

    Präzisionsschleifen

    Das Schleifen ist einer der wichtigsten Endbearbeitungsvorgänge für gehärtete HSS-Bauteile. Um Schleifverbrennungen, Oberflächenbeschädigungen oder Maßabweichungen zu vermeiden, sind geeignete Schleifscheiben, kontrollierte Vorschubgeschwindigkeiten, Kühlmittel und ein geeignetes Wärmemanagement erforderlich.

    EDM-Bearbeitung

    Das Funkenerosionsverfahren (EDM) eignet sich für gehärtete HSS-Bauteile mit komplexen Geometrien, schmalen Schlitzen, scharfen Innenkonturen oder Profilen, die sich durch mechanisches Zerspanen nur schwer herstellen lassen. Da beim EDM-Verfahren Material durch kontrollierte elektrische Entladungen statt durch direktes mechanisches Zerspanen abgetragen wird, können damit auch sehr harte HSS-Werkstoffe nach der Wärmebehandlung bearbeitet werden.

    Wichtige Aspekte bei der Bearbeitung von HSS

    Eine erfolgreiche HSS-Bearbeitung hängt von der Steuerung ab Schneidwärme, Werkzeugverschleiß, Werkstückspannung, Maßhaltigkeit und Eigenspannung. Bei Präzisionsbauteilen sieht der typische Fertigungsablauf wie folgt aus: Das geglühte Material wird grob bearbeitet, anschließend werden Spannungsarmglühen und Härten durchgeführt, und schließlich werden die endgültige Geometrie und die Toleranzen durch Schleifen oder Elektroerosion erreicht.

    Fräser aus Schnellarbeitsstahl

    Wärmebehandlung von HSS-Stahl

    Die Wärmebehandlung ist für die Leistungsfähigkeit von HSS von grundlegender Bedeutung, da die endgültige Härte, Zähigkeit, Verschleißfestigkeit und Warmhärte des Werkstoffs in hohem Maße von der resultierenden Mikrostruktur abhängen. Obwohl die genauen Parameter je nach Güte variieren, umfasst ein typischer HSS-Wärmebehandlungsprozess Folgendes: Glühen, Spannungsarmglühen, Vorwärmen, Austenitisieren, Abschrecken und mehrfache Anlasszyklen.

    Glühen

    Das Glühen wird in der Regel vor der Bearbeitung durchgeführt, um das Material zu erweichen und die Zerspanbarkeit zu verbessern. Je nach Güte liegen die Glühtemperaturen üblicherweise im Bereich von etwa 770–880 °C, worauf eine kontrollierte Ofenabkühlung folgt.

    Stressabbau

    Das Spannungsabbauen ist insbesondere nach einer intensiven Grobbearbeitung sinnvoll. Das Erwärmen des Bauteils auf etwa 630–650 °C vor dem Härten kann die Restspannungen aus der Bearbeitung reduzieren und dazu beitragen, Verformungen während der anschließenden Wärmebehandlung zu minimieren.

    Vorheizen

    HSS weist eine relativ geringe Wärmeleitfähigkeit auf und enthält einen hohen Anteil an Legierungselementen. Durch kontrolliertes Vorwärmen lassen sich Thermoschocks und das Rissrisiko verringern, wenn das Material anschließend hohen Austenitisierungstemperaturen ausgesetzt wird.

    Je nach Güteklasse und Verfahren kann eine ein- oder mehrstufige Vorwärmung zum Einsatz kommen. So kann beispielsweise M2 über Zwischentemperaturstufen vorgewärmt werden, bevor es seine endgültige Härtetemperatur erreicht.

    Austenitisierung und Abschrecken

    Die Austenitisierungstemperatur hängt stark von der HSS-Sorte ab. Typische Härtetemperaturen liegen bei etwa 1.180–1.290 °C, wobei wolframreiche Sorten in der Regel höhere Temperaturen erfordern als einige molybdänbasierte Sorten.

    Zum Beispiel:

    HSS-Güteklasse Typische Austenitisierungs-/Abschrecktemperatur Typischer Temperierbereich
    W18Cr4V / T1 1.270–1.290 °C 550–570 °C
    M2 / W6Mo5Cr4V2 1.210–1.230 °C 540–560 °C
    M3 1.190–1.220 °C 540–560 °C
    M42 1.170–1.200 °C 530–550 °C
    9W18Cr4V 1.260–1.280 °C 570–590 °C
    M2Al 1.230–1.240 °C 540–560 °C

    Das Bauteil wird auf die entsprechende Austenitisierungstemperatur erhitzt und lange genug auf dieser Temperatur gehalten, um die erforderliche Umwandlung ohne übermäßiges Kornwachstum zu erreichen. Zum Abschrecken können je nach Werkstoffsorte, Querschnittsgröße und Wärmebehandlungsanlage Öl, Luft, Gas, ein Salzbad oder andere kontrollierte Abkühlverfahren zum Einsatz kommen.

    Anlassen

    HSS sollte in der Regel mehreren Anlasszyklen unterzogen werden, anstatt nur einmal angeglüht zu werden. Das Anlassen reduziert Restspannungen und trägt zur Stabilisierung der gehärteten Struktur bei, während gleichzeitig die erforderliche Sekundärhärte erreicht wird.

    Die typischen Anlass-Temperaturen liegen je nach Stahlsorte bei etwa 530–590 °C. In der Regel werden zwei oder drei Anlasszyklen durchgeführt, wobei das Werkstück zwischen den Zyklen auf eine geeignete Temperatur abgekühlt wird.

    Tiefkühlbehandlung

    Bei einigen HSS-Anwendungen kann nach dem Abschrecken eine kryogene Behandlung durchgeführt werden, um die Umwandlung von Restaustenit zu fördern und die Maßhaltigkeit sowie das Verschleißverhalten zu verbessern. So kann beispielsweise bei bestimmten M2-Verfahren eine kontrollierte Behandlung bei etwa −80 °C zum Einsatz kommen, wobei die tatsächlichen Anforderungen jedoch von der Güteklasse, der Geometrie, der Wärmebehandlungsspezifikation und den angestrebten Leistungsmerkmalen abhängen.

    Die Qualität der Wärmebehandlung ist entscheidend

    Die HSS-Wärmebehandlung erfordert eine wesentlich strengere Kontrolle als das bloße Erreichen einer Zieltemperatur. Überhitzung, Entkohlung, Oxidation, übermäßiges Kornwachstum, unzureichende Anlassung und unkontrollierte Abkühlung All dies kann die Endleistung beeinträchtigen. Für Präzisions-HSS-Bauteile, bei denen die Oberflächenbeschaffenheit und die Maßhaltigkeit entscheidend sind, werden daher Vakuum- oder Schutzgasöfen bevorzugt.

    Fräser aus Schnellarbeitsstahl

    Ist Vanadium-Schnellarbeitsstahl härter als Kobalt?

    Nicht unbedingt. HSS mit hohem Vanadiumgehalt und Kobalt-HSS sind auf unterschiedliche Leistungseigenschaften ausgelegt, sodass ein Vergleich allein anhand der Nennhärte irreführend sein kann.

    Vanadiumreiche Sorten wie M3 enthalten einen erhöhten Vanadiumanteil, wodurch eine große Menge extrem harter Vanadiumkarbidpartikel entsteht. Dies verleiht ihnen eine hervorragende Abriebfestigkeit und Kantenbeständigkeit. M3 erreicht nach der Wärmebehandlung in der Regel einen Härtewert von etwa 64–67 HRC.

    Kobalt-HSS-Stähle wie M35 und M42 hingegen enthalten Kobalt, um Warmhärte und Schneidleistung bei hohen Temperaturen. M42 erreicht in der Regel etwa 67–70 HRC, womit seine Nennhärte über der vieler Standard-Stähle mit hohem Vanadiumgehalt liegt.

    Eigentum HSS mit hohem Vanadiumgehalt Kobalt-HSS
    Repräsentative Qualität M3 M35 / M42
    Typische Härte ~64–67 HRC ~64–70 HRC
    Wichtigstes Legierungsmerkmal High V Zusatz
    Hauptvorteil Extreme Verschleißfestigkeit Hohe Warmhärte
    Verschleißfestigkeit im Zusammenhang mit Hartmetall Sehr hoch Hoch
    Hochtemperatur-Schneiden Ausgezeichnet Ausgezeichnet
    Schwierigkeitsgrad beim Schleifen Höher Im Allgemeinen einfacher als Routen mit hohem V-Grad
    Typische Anwendung Schneidwerkzeuge mit hohem Verschleiß Schwer zerspanbare Werkstoffe und Hochgeschwindigkeitszerspanung

    Daher kann M42 hinsichtlich des Endhärtewerts (HRC) härter sein als M3, was jedoch nicht bedeutet, dass es automatisch in jeder Anwendung verschleißfester ist. HSS mit hohem Vanadiumgehalt kann Kobalt-HSS übertreffen, wenn abrasiver Verschleiß und Schneidkantenbeständigkeit die wichtigsten Anforderungen sind, während Kobalt-HSS vorzuziehen sein kann, wenn das Werkzeug seine Härte unter starker Schnittwärme beibehalten muss.

    Die bessere Wahl hängt davon ab, Werkstückmaterial, Schnittgeschwindigkeit, Temperatur, erforderliche Standzeit und Verschleißmechanismus, und nicht nur die Härte.

    Lochsägen aus Schnellarbeitsstahl

    Eignet sich Schnellarbeitsstahl für Messer?

    Ja, HSS kann für bestimmte Anwendungsbereiche ein hervorragendes Messermaterial sein, insbesondere wenn hohe Schnitthaltigkeit, Verschleißfestigkeit und Beständigkeit gegen Erweichung wichtiger sind als einfache Schärfbarkeit oder niedrige Materialkosten.

    Die hohe Härte von wärmebehandeltem HSS sorgt dafür, dass die Messerschneide verformungsbeständig ist, während die Legierungskarbide eine hohe Beständigkeit gegen abrasiven Verschleiß gewährleisten. Diese Eigenschaften können nützlich sein für Industriemesser, Schneidklingen, Längsschneidwerkzeuge, Scherkomponenten und andere stark verschleißanfällige Schneidanwendungen.

    Allerdings ist HSS nicht automatisch die beste Wahl für jedes Messer. Viele HSS-Sorten sind in erster Linie für industrielle Hochgeschwindigkeitsschneidvorgänge und nicht für den allgemeinen Messereinsatz konzipiert. Aufgrund ihrer hohen Härte und ihres hohen Karbidgehalts lassen sie sich unter Umständen schwerer schleifen und schärfen, während bestimmte Sorten möglicherweise weniger zäh sind als Stähle, die speziell für schlagfeste Klingen entwickelt wurden.

    Bei industriellen Schneidanwendungen sollten daher folgende Aspekte bei der Auswahl berücksichtigt werden:

    • Schneidkantenbeständigkeit – wichtig für den Dauerbetrieb und die Großserienfertigung.
    • Verschleißfestigkeit – besonders wichtig beim Schneiden von abrasiven Werkstoffen.
    • Zähigkeit – entscheidend, wenn die Klinge Stößen ausgesetzt ist oder unterbrochene Schnitte ausführt.
    • Härte – bestimmt die Widerstandsfähigkeit gegen Kantenverformung.
    • Schleifbarkeit – wichtig bei der Herstellung und beim Nachschärfen von Klingen.
    • Betriebstemperatur – HSS-Stahl kommt besonders dann zum Einsatz, wenn beim Zerspanen erhebliche Wärme entsteht.

    Bei einem Allzweckmesser kann ein speziell entwickelter Klingenstahl ein besseres Gleichgewicht zwischen Zähigkeit, Korrosionsbeständigkeit, Schleifverhalten und Schnitthaltigkeit bieten. Für Industriemesser und Hochtemperatur-Schneidwerkzeuge, Allerdings kann HSS ein äußerst effektiver Werkstoff sein, wenn die Sorte entsprechend den tatsächlichen Zerspanungsbedingungen ausgewählt und wärmebehandelt wird.

    Lochsägen aus Schnellarbeitsstahl

    Wie wählt man die richtige HSS-Güte aus?

    Die Wahl der richtigen HSS-Sorte hängt von der Werkstückmaterial, Schnittgeschwindigkeit, Betriebstemperatur, Verschleißzustände, erforderliche Standzeit und Fertigungsverfahren. Es gibt keine HSS-Sorte, die für jede Zerspanungsanwendung die beste Leistung bietet.

    Berücksichtigen Sie das Werkstückmaterial

    Das zu bearbeitende Material sollte bei der Auswahl an erster Stelle stehen. Allzweck-HSS-Stähle wie M2 eignen sich für ein breites Spektrum gängiger Stähle und Konstruktionswerkstoffe, während Kobaltlegierungen wie M35 und M42 besser für schwer zerspanbare Werkstoffe und Anwendungen geeignet sind, bei denen erhebliche Schnittwärme entsteht.

    Berücksichtigen Sie die Anforderungen an die Kleidung

    Wenn abrasiver Verschleiß die Hauptversagensart ist, können hochvanadiumhaltige Werkstoffe wie M3 von Vorteil sein, da ihre hohe Konzentration an Vanadiumkarbiden eine hervorragende Verschleißfestigkeit und Kantenhaltigkeit gewährleistet.

    Berücksichtigen Sie die Schnitttemperatur

    Für Hochgeschwindigkeits- oder wärmeintensive Zerspanungsvorgänge werden in der Regel Sorten mit besseren Warmhärteeigenschaften bevorzugt. Kobalt-HSS-Stähle wie M35 und M42 kommen häufig zum Einsatz, wenn die Aufrechterhaltung der Härte bei erhöhten Temperaturen eine wesentliche Anforderung ist.

    Berücksichtigen Sie die Zähigkeit und unterbrochenes Schneiden

    Anwendungen, bei denen Vibrationen, unterbrochene Schnitte oder Stoßbelastungen auftreten, erfordern ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Härte und Zähigkeit. Eine ausgewogene Sorte wie M2 kann besser geeignet sein als die bloße Wahl der HSS-Sorte mit der höchsten verfügbaren Härte.

    Berücksichtigung der Werkzeuggeometrie und der Fertigung

    Die HSS-Güte sollte zudem mit dem vorgesehenen Fertigungsverfahren kompatibel sein. Vanadiumreiche Güten bieten zwar eine hervorragende Verschleißfestigkeit, sind jedoch schwieriger zu schleifen, während hochlegierte Güten möglicherweise eine strengere Kontrolle bei der Wärmebehandlung und der Endbearbeitung erfordern.

    Die Güteklasse der Anwendung anpassen

    Anforderung Zu berücksichtigende HSS-Stufe
    Allgemeine Schneidarbeiten M2
    Hohe Verschleißfestigkeit M3 / M4
    Hochtemperatur-Schneiden M35 / M42
    Sehr hohe Härte M42 / M2Al
    Herkömmliche Anwendungsbereiche für Wolfram-HSS-Stahl W18Cr4V / T1
    Hohe Härte und Verschleißfestigkeit 9W18Cr4V

    Bei der Präzisionsbearbeitung sollte die Materialauswahl letztlich auf der Grundlage der gesamten Betriebsbedingungen erfolgen und nicht allein auf der HRC-Härte basieren. Die Härte des Werkstücks, die Schnittparameter, die Werkzeuggeometrie, die Kühlbedingungen, die erwartete Standzeit des Werkzeugs und das Produktionsvolumen können die endgültige Wahl der Werkstoffsorte beeinflussen.

    Zahnradfräser aus Schnellarbeitsstahl

    Maßgeschneiderte Bearbeitung und Fertigung von HSS-Stahl

    Dakings Rapid bietet maßgeschneiderte Lösungen für die Bearbeitung und Fertigung von HSS-Stahl für Präzisionsschneidwerkzeuge, Werkzeugkomponenten, verschleißfeste Teile und andere Anwendungen, die eine hohe Härte und Maßgenauigkeit erfordern.

    Unser Fertigungsprozess lässt sich an den Materialzustand und die Anforderungen an die Bauteile anpassen – von der Bearbeitung von geglühtem HSS bis hin zur Endbearbeitung gehärteter Bauteile durch Präzisionsschleifen oder Elektroerosion.

    Maßgefertigte HSS-Komponenten

    Wir können die Fertigung maßgeschneiderter HSS-Komponenten unterstützen, wie zum Beispiel:

    • Bohrer und Spiralbohrer
    • Gewindebohrer und Reibahlen
    • Schaftfräser und Fräser
    • Drehwerkzeuge und Bohrstangen
    • Räumer und Verzahnungswerkzeuge
    • Kreissägeblätter und Bügelsägeblätter
    • Industrielle Schneidklingen
    • Verschleißfeste Werkzeugkomponenten
    • Maßgefertigte mechanische HSS-Bauteile

    Bearbeitungsmöglichkeiten bei HSS

    CNC-Bearbeitung: Grob- und Vorbearbeitung von HSS-Bauteilen, insbesondere im geglühten Zustand.

    Präzisionsschleifen: Maßgenaue Endbearbeitung von gehärteten HSS-Teilen und Präzisionsschneidkanten.

    EDM-Bearbeitung: Komplexe Profile, schmale Nuten, Innenkonturen und gehärtete HSS-Geometrien, die mit herkömmlichen Verfahren nur schwer zu bearbeiten sind.

    Unterstützung bei der Wärmebehandlung: Je nach ausgewählter HSS-Sorte und geforderter Härte können kontrollierte Härtungs- und Anlassverfahren durchgeführt werden.

    Oberflächenbearbeitung: Je nach den Anforderungen an Maßhaltigkeit, Funktion und Oberfläche des Bauteils können zusätzliche Bearbeitungsverfahren in Betracht gezogen werden.

    Vom Prototyp zur Serienfertigung

    Ganz gleich, ob Sie ein maßgeschneiderte HSS-Prototypen, Kleinserienfertigung, Serienfertigung oder Massenproduktion, Der Fertigungsprozess lässt sich an die erforderliche Stückzahl, Geometrie, Toleranz und den Lieferplan anpassen.

    Bei gehärteten HSS-Bauteilen ist die Prozessplanung besonders wichtig, da die Wärmebehandlung die Maße und die Eigenspannungen beeinflussen kann. Bearbeitungszugaben, Anforderungen an die Wärmebehandlung sowie abschließende Schleif- oder Erodiervorgänge sollten daher von Anfang an gemeinsam berücksichtigt werden.

    Benötigen Sie maßgefertigte HSS-Teile? Senden Sie unserem Konstruktionsteam Ihre Zeichnungen, die HSS-Güteklasse, die Abmessungen, die Stückzahl und die gewünschte Härte zu, damit wir eine Fertigungsbewertung vornehmen und Ihnen ein Angebot unterbreiten können.

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